Anlässlich der Seligsprechung des Ordensgründers hatten Petra Miller und Silvia Schlaugat-Müller von der Weggemeinschaft Steinfeld die Idee, mit wöchentlichen, geistlichen Impulsen auf dieses Ereignis vorzubereiten. Start war der Palmsonntag, so dass insgesamt acht Impulse vorgesehen sind.

4. Sonntag der Osterzeit 2021 – Jesus der gute Hirte

In der ersten Zeit der Christen war die Gestalt des Hirten ein äußerst beliebtes Symbol für Jesus Christus. Sie war viel populärer, viel weiter verbreitet als das Kreuz.

Und so haben die Menschen früherer Jahrhunderte das Evangelium dieses Sonntags vielleicht anders gehört und verstanden als wir heute:

Evangelium des 4. Sonntags der Osterzeit Joh 10,11-18
In jener Zeit sprach Jesus: Ich bin der gute Hirt. Der gute Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe. Der bezahlte Knecht aber, der nicht Hirt ist und dem die Schafe nicht gehören, sieht den Wolf kommen, lässt die Schafe im Stich und flieht; weil er nur ein bezahlter Knecht ist und ihm an den Schafen nichts liegt.
Ich bin der gute Hirt; ich kenne die Meinen und die Meinen kennen mich, wie mich der Vater kennt und ich den Vater kenne; und ich gebe mein Leben hin für die Schafe.
Ich habe noch andere Schafe, die nicht aus diesem Stall sind; auch sie muss ich führen und sie werden auf meine Stimme hören; dann wird es nur noch eine Herde geben und einen Hirten.
Deshalb liebt mich der Vater, weil ich mein Leben hingebe, um es wieder zu nehmen. Niemand entreißt es mir, sondern ich gebe es von mir aus hin. Ich habe Macht, es hinzugeben, und ich habe Macht, es wieder zu nehmen. Diesen Auftrag habe ich von meinem Vater empfangen. (Einheitsübersetzung 2016)

Heute ist das Bild des Hirten für Christus dagegen mehr in den Hintergrund getreten. Vielmehr in den Vordergrund getreten ist dieses Bild für den Dienst der Kirche selbst. Das kirchliche Amt wird als Hirtenamt verstanden. Der Bischof als der Hirte, als der Pastor der Gemeinde, trägt den Hirtenstab als Zeichen seiner Autorität und verfasst Hirtenworte, um auf etwas Wichtiges hinzuweisen.

Hören wir, was Pater Franziskus vom Kreuze Jordan im 5. Satz seines geistlichen Testamentes dazu sagt:

Aus dem geistlichen Testament Pater Franziskus vom Kreuze Jordans:

5. Seid immer wahre und treue Söhne (und Töchter, Anm. d. Verf.) der heiligen Mutter, der römischen Kirche, und lehrt, was sie lehrt, glaubt, was sie glaubt, verwerft, was immer sie verwirft! (Lk 10,16)

Im Lukasevangelium heißt es in 10,16: Wer euch hört, der hört mich, und wer euch ablehnt, der lehnt mich ab; wer aber mich ablehnt, der lehnt den ab, der mich gesandt hat.

Zwei Stichworte fallen mir hier ein: Gehorsam und Hingabe!Auch hierzu finden sich im geistlichen Tagebuch zahlreiche Eintragungen:

Gehorsam:
Nach drei Dingen muss ich Verlangen haben: Dass ich Gott gehorche, dass ich für Gott leide und dass viele Menschen Gott dienen.

GT I/121, ( 1875-1894)

Und:

Durch Verfolgungen, in Gehorsam und Gebet wird die Gesellschaft gefestigt werden und wachsen.

GT II/25, 18.8.1900

Hingabe:

Wer in Hingabe an Gott lebt, der lebt für Gott allein (hl. Franz von Borgia).

GT I/128, (1875-1894)

Und:

Jesus, Heiland der Welt, nimm mich ganz in Besitz!
Dein bin ich!

GT II/63, 31.10.1903

Gedanken zum Evangelium

Das Bild des Hirten mag gefährlich sein, weil es paternalistische Verhaltensweisen ermöglicht. In diesem Bild mag man dann wissen, was für einen Menschen gut ist, mag ihm Vorschriften machen wollen und den Ton angeben. Aber das Evangelium korrigiert diese Versuchungen. Das Bild des Hirten ist kein Bild der Begegnung auf gleicher Augenhöhe. Das widerspricht unserem heutigen Lebensempfinden. Aber in den Ansprüchen, die das Evangelium an den Dienst des Hirten stellt, können wir unsere Erwartungen wiederfinden. Jesus sieht zuerst den Dienst des Hirten als Hingabe. Der Hirt setzt sich ganz ein für die Herde – er gibt sein Leben hin für die Schafe. Es ist der Hirt, der nicht für sich selbst lebt, sondern für die anderen, der nicht anderen Vorschriften macht, sondern auf sein Leben verzichtet, damit die anderen leben können. Es ist gerade die Verbundenheit, die diesen Einsatz ermöglicht – im Gegensatz zum bezahlten Knecht, wie ihn das Evangelium nennt. Diese Verbundenheit ist eine Erfahrung der Liebe. Im Evangelium wird dies durch das Wort „kennen“ ausgedrückt In der biblischen Sprache meint „kennen“ nicht allein einen kognitiven Akt. Zum Kennenlernen eines anderen Menschen gehört auch das Lieben, ja die sexuelle Verbundenheit. So eng sind die verbunden, die sich kennen. Jesus steht als der Hirt nicht über den Schafen. Er liebt die Menschen, die zu ihm gehören. Es ist ein Weg, der über die eigene Lebenshingabe geht. In der Mitte unserer Verkündigung steht bis heute nicht die siegreiche Macht Jesu, sondern die Macht, die uns rettet, weil Jesus den Tod auf sich nahm, auf die Seite der Ohnmächtigen und Wehrlosen ging.

Aus dem Laacher Messbuch 2021, S.432

Gerade in unserer Zeit tut sich der Eine oder die Andere schwer mit diesem 5.Satz aus dem geistlichen Testament:

5. Seid immer wahre und treue Söhne (und Töchter, Anm. d. Verf.) der heiligen Mutter, der römischen Kirche, und lehrt, was sie lehrt, glaubt, was sie glaubt, verwerft, was immer sie verwirft! (Lk 10,16)

Machtmissbrauch, sexueller Missbrauch, Reformunwille oder so sogar Reformunfähigkeit erschüttern die Grundfesten der „heiligen Mutter, der römischen Kirche“

So stellt sich die Frage nach Hingabe und Gehorsam heute vielleicht anders als zu Pater Franziskus` Zeit, vor allem, weil gerade auch diese Begriffe scheinbar so gar nicht mehr in unsere Zeit passen.

• Was verstehe ich unter diesen Begriffen?
• Wem schulde ich Gehorsam? Und wo muss ich ungehorsam sein?
• Wie können Gehorsam und Hingabe mich zu meinem wahren Selbst in Freiheit führen?

 

Lasse dich vertrauend ein
auf alles, was dir aufgetragen ist,
und überlasse dich.

So gehst du den Weg
mitten in der Welt
in der Nachfolge Jesu,
der sich überlassen hat
bis zum Tod am Kreuz.

Unterbrich Tag für Tag
alles Tun und Planen:
Werde still
und lerne hören
Gottes leise Stimme!

Wie im Weizenkorn,
das in die Erde fällt
und aufgebrochen wird,
neues Leben entsteht,
so wird durch deine
vertrauende Überlassung
mitten in der Welt
Neues erwachsen.

Leitwort im Geistlichen Zentrum Sasbach

Dazu segne dich Gott, der Vater mit dem Sohn im Heiligen Geist!

 

Wir wünschen Ihnen und Euch weiter eine frohe und Segen bringende Zeit
Petra Miller und Silvia Schlaugat-Müller

 

© Foto und Bild: Sr. Heidrun Bauer SDS – Atelier und Geistliche Begleitung, Geht nach Galiläa (vgl. Mt 28,10), 2007, Acryl-Mischtechnik auf Leinwand, 120 x 60 cm. 

Die Impulse als PDF zum Download

1. Impuls – Palmsonntag

2. Impuls – Ostersonntag

3. Impuls – 2. Sonntag der Osterzeit

4. Impuls – 3. Sonntag der Osterzeit

5. Impuls – 4. Sonntag der Osterzeit