P. Franz Exiller aus der Kommunität Mistelbach schreibt anlässlich der Seligsprechung am 15. Mai 2021 über Ordensgründer P. Franziskus Jordan.

Sie nennen Ihr neues Buch über Ordensgründer P. Franziskus Jordan ein „Lebensbild“. Wodurch unterscheidet es sich von einer Biografie?

Der Gründer der Salvatorianer, Salvatorianerinnen und Salvatorianischen Laiengemeinschaft wird am 15. Mai 2021 in Rom seliggesprochen. Da wir Salvatorianer seit 1923 in Mistelbach und Umgebung seelsorglich wirken, möchte ich euch P. Jordan und sein Wirken etwas näherbringen. Johann Baptist Jordan wurde am 16. Juni 1848 in Gurtweil (Baden-Würtenberg) geboren. Seine Eltern gehörten zu den Ärmsten im Dorf. Ihr Leben war von materiellen Sorgen geprägt, so dass von einem tiefreligiösen Leben keine Rede sein konnte. Johann hatte noch zwei jüngere Brüder, und sie waren häufig sich selbst überlassen. In seiner Schulzeit war er oft Anführer seiner Mitschüler und sprühte vor Unternehmungslust und Übermut. In seinem 14. Lebensjahr starb sein Vater an den Spätfolgen eines Arbeitsunfalles. Dieser Schicksalsschlag veränderte sein Wesen, und es tauchte in ihm der Wunsch auf, Priester zu werden. Doch seine Familie war zu arm, um ein Studium zu finanzieren. Deshalb entschied er sich, eine Lehre als Dekorationsmaler zu machen. Nach dem Lehrabschluss 1868 war er als Geselle ein Jahr lang unterwegs: Augsburg, München, Berlin, Hamburg, Böhmen …

Mit 21 Jahren entschloss er sich, doch Priester zu werden. Durch Privatunterricht und Unterstützung seines Heimatpfarrers konnte er 1874 das Gymnasium in Konstanz abschließen. Im selben Jahr begann er mit dem Studium der Theologie und Philologie in Freiburg/Breisgau. Am 21.Juli 1878 wurde er zum Priester geweiht.

Wegen seiner Sprachbegabung sandte ihn sein Bischof nach Rom. Dort studierte er orientalische Sprachen, einige Monate sogar in Ägypten und im Hl. Land. In dieser Zeit reifte in Jordan der Entschluss, ein neues apostolisches Werk in der Kirche zu gründen. Theologische Erkenntnisse sollten verständlich unter die Menschen gebracht werden. Alle Stände, Priester und Laien, Frauen und Männer, sollten an der Verkündigung-Weitergabe des Glaubens mitwirken. Weil Jordan von sehr ängstlichem Gewissen war, bat er angesehene geistliche Würdenträger um Rat, die ihn ermutigten. Auch Papst Leo XIII. erteilte ihm dazu seinen Segen.

Am 8. Dez. 1881 gründete Jordan mit zwei befreundeten Priestern die „Apostolische Lehrgesellschaft“, aus der 1893 die Gemeinschaft der Salvatorianer wurde. 1888 gründete er gemeinsam mit Therese von Wüllenweber die Gemeinschaft der Salvatorianerinnen.

1890 wurden die ersten Missionare nach Indien ausgesandt. Bald darauf begannen Mitbrüder und Schwestern ihren Dienst in Amerika (USA, Brasilien), aber auch in Wien. Dabei war ihnen stets die Weitergabe des Glaubens und die Unterstützung Armer und Benachteiligter gleich wichtig.

P. Jordan leitete von Rom aus die Gesellschaft. Wegen seiner geschwächten Gesundheit legte er 1915 diese Aufgabe zurück. Er lebte nun in der Schweiz, wo er am 8. Sept. 1918 in Tafers bei Fribourg starb.

Was mich an P. Jordan besonders berührt?

P. Jordan war ein bescheidener, aber auch wagemutiger Mensch.

Auch als Oberer einer internationalen Ordensgemeinschaft hatte er nur ein einziges Zimmer, das für ihn zugleich Empfangs-, Studier- und Schlafraum war. Andererseits hatte er immer ein Herz für die Armen. Deshalb übernahm er Aufgaben, wozu andere nicht bereit waren. 1892 kamen die ersten Salvatorianer als Katecheten nach Wien-Favoriten. Dort lebten vor allem böhmische Ziegelarbeiter auf engsten Raum in Mietwohnungen. Diese Familien unterstützten sie durch Lernbetreuungs-, Seelsorgs- und Freizeitangebote.

P. Jordan war ein Mann des Gebetes.

P. Jordan hat wie jeder von uns auch seine Fehler, Schwächen und Eigenheiten gehabt. Sein inniges Gebetsleben erklärt, warum er die Schwierigkeiten und Enttäuschungen seines Lebens annehmen und überwinden konnte. Das Fundament seines Lebens war sein felsenfestes Gottvertrauen: Gott ist einer, der jede(n) von uns kennt und liebt so wie sie/er ist – auch mit allen Fehlern und Schwächen. Dadurch konnte er gegen jeden Pessimismus die Hoffnung lebendig erhalten.

Das Beispiel P. Jordans und seine Fürbitte wollen auch uns ermutigen und stärken auf dem Weg der Nachfolge Jesu Christi, unseres Heilands und Erlösers.

Text: P. Franz Exiller